Schlafstörungen: Ursachen, Formen und Behandlung
Jeder schläft gelegentlich schlecht. Das ist normal und kein Grund zur Sorge. Von einer Schlafstörung spricht man, wenn Schlafprobleme häufig auftreten, länger andauern und den Alltag beeinträchtigen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über Formen, Ursachen und Wege zur Besserung.
Formen von Schlafstörungen
- Insomnie (Schlaflosigkeit): Probleme beim Einschlafen, Durchschlafen oder zu frühes Erwachen, mit Folgen am Tag wie Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Reizbarkeit.
- Schlafbezogene Atemstörungen: Zum Beispiel Schlafapnoe mit Atemaussetzern und lautem Schnarchen.
- Restless-Legs-Syndrom: Unruhe und Missempfindungen in den Beinen, vor allem abends.
- Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus: Zum Beispiel bei Schichtarbeit oder Jetlag.
- Zu viel Schlaf und ausgeprägte Tagesschläfrigkeit, etwa bei Narkolepsie.
- Parasomnien: Schlafwandeln, Albträume, nächtliches Zähneknirschen.
Wann es behandlungsbedürftig ist
Als Faustregel: Wenn Sie über mindestens einen Monat mindestens dreimal pro Woche schlecht schlafen und tagsüber darunter leiden, sollten Sie das abklären lassen. Eher früher, wenn Sie sich stark belastet fühlen oder Warnzeichen wie Atemaussetzer, Sekundenschlaf oder Niedergeschlagenheit bemerken.
Mögliche Ursachen
- Psychische Belastung: Stress, Sorgen, Belastungen im Beruf oder in der Familie, Trauer.
- Seelische Erkrankungen, zum Beispiel Depression oder Angststörung.
- Körperliche Erkrankungen: Schmerzen, Herz- und Lungenerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden.
- Medikamente und Substanzen: Koffein, Alkohol, Nikotin, manche Arzneimittel.
- Ungünstige Gewohnheiten: Unregelmäßige Zeiten, zu viel Zeit im Bett, Bildschirme, Grübeln im Bett.
- Hormonelle Veränderungen, zum Beispiel in den Wechseljahren.
- Schlafumgebung.
Oft wirken mehrere Faktoren zusammen, und das Problem verfestigt sich durch die Angst vor schlechten Nächten.
Was bei der Abklärung passiert
Die Hausarztpraxis fragt nach Schlafgewohnheiten, Beschwerden, Medikamenten und Vorerkrankungen. Häufig wird ein Schlaftagebuch geführt, in dem Sie zwei Wochen lang Einschlaf- und Aufwachzeiten und Ihr Befinden notieren. Bei Verdacht auf bestimmte Störungen folgen weitere Untersuchungen, zum Beispiel in einem Schlaflabor.
Behandlung
Kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I) gilt als Behandlung der ersten Wahl bei chronischer Schlaflosigkeit. Sie arbeitet mit:
- Schlafhygiene: hilfreiche Gewohnheiten und Umgebung,
- Schlafrestriktion: die Zeit im Bett wird an die tatsächliche Schlafzeit angepasst, um den Schlafdruck zu erhöhen,
- Reizkontrolle: Das Bett wird wieder mit Schlaf verbunden,
- Entspannungsverfahren,
- Umgang mit Gedanken: Grübeln und Katastrophisieren verändern.
Die Wirkung hält oft länger an als bei Medikamenten. Es gibt auch digitale Programme und Online-Kurse, teils auf Rezept (digitale Gesundheitsanwendungen). Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Medikamente werden nur nach ärztlicher Abwägung und meist nur kurzzeitig eingesetzt, weil bestimmte Mittel abhängig machen und Nebenwirkungen haben können. Mehr im Artikel „Schlafhilfen“.
Behandlung der Ursache: zum Beispiel einer Atemstörung, Schmerzen oder Depression.
Was Sie selbst tun können
- Feste Schlaf- und Aufstehzeiten.
- Abendroutine und ruhige Schlafumgebung. Mehr im Artikel „Gesund schlafen“.
- Koffein, Alkohol und späte schwere Mahlzeiten reduzieren.
- Bewegung am Tag, Tageslicht.
- Entspannungsübungen.
- Schlaftagebuch führen.
- Gelassenheit üben: Weniger Druck bessert oft den Schlaf.
Warnzeichen
Suchen Sie rasch Hilfe, wenn Sie:
- tagsüber unkontrolliert einschlafen, besonders beim Autofahren,
- Atemaussetzer oder starkes Schnarchen bemerken oder Ihr Partner das beobachtet,
- sich anhaltend niedergeschlagen oder hoffnungslos fühlen,
- an Selbstmord denken. Die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos, rund um die Uhr) hilft. Bei akuter Gefahr wählen Sie 112.
Das interaktive Video-Coaching Schlafstörungen begleitet Sie mit Fragen und Übungen, wenn Sie schlecht ein- oder durchschlafen.