Wenn Lehrer mobben: Erkennen und handeln
Die meisten Lehrerinnen und Lehrer tun ihr Bestes. Trotzdem gibt es Fälle, in denen eine Lehrkraft Kinder wiederholt abwertet, bloßstellt oder ungerecht behandelt. Für Kinder ist das besonders schwer, weil sie der Person nicht ausweichen können und in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen.
Strenge oder Mobbing?
Strenge Regeln, klare Ansagen und Kritik an Leistungen gehören zum Unterricht. Problematisch wird es, wenn:
- ein Kind wiederholt vor der Klasse bloßgestellt oder lächerlich gemacht wird,
- persönliche Abwertungen fallen („Du bist zu dumm dafür“),
- ein Kind systematisch ungerechter bewertet oder behandelt wird als andere,
- die Lehrkraft Mitschüler zum Mitmachen ermutigt oder wegsieht,
- das Kind Angst vor dem Unterricht entwickelt,
- Drohungen oder körperliche Übergriffe vorkommen.
Auch hier hilft die Frage: Ist es ein einmaliger Vorfall oder ein Muster? Wie erlebt das Kind es?
Ihr Kind unterstützen
- Hören Sie zu und glauben Sie ihm, ohne gleich Partei zu ergreifen oder zu urteilen.
- Fragen Sie nach Beispielen: Was genau wurde gesagt oder getan? Wann? Wer war dabei?
- Vermeiden Sie vorschnelle Schuldzuweisungen. Hören Sie auch die Sicht der Lehrkraft.
- Stärken Sie Ihr Kind: Es ist nicht schuld, und es darf sich Hilfe holen.
Dokumentieren
Notieren Sie Vorfälle sachlich: Datum, Situation, Worte, Zeugen, Folgen für das Kind. Sammeln Sie, wenn vorhanden, Hausaufgaben, Klassenarbeiten, Nachrichten oder Aussagen von Mitschülern. Das hilft, Muster zu erkennen und in Gesprächen konkret zu sein.
Schritt für Schritt vorgehen
- Gespräch mit der Lehrkraft. Vereinbaren Sie einen Termin, bleiben Sie sachlich, beschreiben Sie, was Ihr Kind erlebt, und fragen Sie nach der Sicht der Lehrkraft. Oft lässt sich ein Missverständnis klären.
- Wenn sich nichts ändert: Gespräch mit der Schulleitung, gern mit Elternvertreterinnen oder Elternvertretern.
- Unterstützung nutzen: Beratungslehrkraft, Schulsozialarbeit, Schulpsychologie.
- Schulaufsicht: Wenn die Schule nicht handelt, können Sie sich an die zuständige Schulaufsichtsbehörde wenden, in der Regel das Schulamt oder die Bezirksregierung.
- Dienstaufsichtsbeschwerde: als formaler Weg, wenn andere Schritte nicht helfen. Sie ist schriftlich und sachlich zu begründen.
- Rechtlicher Rat: Bei schwerwiegenden Vorfällen wie Gewalt, Demütigungen oder Bedrohungen kann eine Beratung durch eine Anwältin oder einen Anwalt für Schulrecht oder eine Verbraucher- oder Elternberatung sinnvoll sein.
Tipps für Gespräche
- Bleiben Sie ruhig und sachlich. Wut verhärtet die Fronten.
- Beschreiben Sie Beobachtungen, nicht Urteile. Statt „Sie mobben mein Kind“: „Mein Kind erzählt, dass es mehrfach vor der Klasse bloßgestellt wurde. Ich möchte verstehen, was passiert ist.“
- Nennen Sie Ihr Ziel: Was soll sich ändern?
- Halten Sie Ergebnisse fest, zum Beispiel in einem kurzen Protokoll.
- Nehmen Sie bei Bedarf eine Begleitperson mit.
Das Kind schützen
- Beobachten Sie die Belastung: Schlaf, Stimmung, Leistungen, Ängste.
- Holen Sie Unterstützung für das Kind, wenn es stark leidet: Kinderärztin, Erziehungsberatung, Psychotherapie.
- Prüfen Sie, wie das Kind in der Klasse eingebunden ist, und stärken Sie Freundschaften.
- Wenn alles nichts hilft, kann ein Klassen- oder Schulwechsel eine Option sein. Besprechen Sie ihn mit dem Kind.
Wo Sie Hilfe bekommen
- Elterntelefon der „Nummer gegen Kummer“: 0800 111 0 550, kostenlos und anonym.
- Kinder- und Jugendtelefon: 116 111.
- Elternvertretung an der Schule und Landeselternvertretungen.
- Erziehungsberatungsstellen.
- Schulpsychologische Beratungsstellen.
Das interaktive Video-Coaching Mobbing in der Schule gibt Eltern Orientierung und konkrete Schritte, auch für schwierige Gespräche mit der Schule.