Mein Kind mobbt andere: Wie Eltern reagieren können
Es ist schwer, zu hören, dass das eigene Kind andere mobbt. Viele Eltern reagieren mit Abwehr („Das macht mein Kind nicht“) oder mit Scham und Wut. Beides ist verständlich, hilft aber nicht weiter. Auch mobbende Kinder brauchen Unterstützung, nicht nur Strafen.
Warum Kinder mobben
Mobbing hat meist mehrere Ursachen:
- Macht und Status: Das Kind will sich in der Gruppe behaupten oder Anerkennung bekommen.
- Zugehörigkeit: Aus Angst, selbst ausgegrenzt zu werden, macht es mit.
- Unsicherheit und geringer Selbstwert: Abwertung anderer gibt kurzfristig Stärke.
- Eigene Erfahrungen: Mobbing, Gewalt oder Ablehnung zu Hause oder in der Schule.
- Fehlende Empathie oder Grenzen: Das Kind erkennt nicht, wie sehr es verletzt.
- Vorbilder: Aggressives oder abwertendes Verhalten im Umfeld, in Medien oder im Netz.
- Langeweile oder Gruppendruck.
Das erklärt, entschuldigt aber nichts. Verantwortung bleibt.
Das Gespräch
- Bleiben Sie ruhig. Atmen Sie durch, bevor Sie sprechen. Im Ärger sagt man Dinge, die man später bereut.
- Informieren Sie sich, was genau vorgefallen ist, bevor Sie Ihr Kind konfrontieren, und hören Sie beide Seiten.
- Sprechen Sie ruhig und klar: „Mir wurde erzählt, dass du mehrmals Sachen über X gesagt hast, die ihn sehr verletzt haben. Ich möchte hören, wie du das siehst.“
- Hören Sie zu: Warum hat es mitgemacht? Wie geht es ihm? Was fühlt es?
- Sagen Sie deutlich: „Ich bin sicher, dass du ein netter Mensch bist, aber dein Verhalten war nicht in Ordnung, und es muss aufhören.“
- Lassen Sie nicht nach: Verharmlosungen („War doch nur Spaß“) nehmen Sie nicht hin.
Empathie fördern
- Fragen Sie nach dem Gefühl der anderen Person: „Wie, glaubst du, hat sich X gefühlt?“
- Erzählen Sie von eigenen Erfahrungen, wenn Sie selbst ausgegrenzt wurden.
- Lesen Sie gemeinsam Geschichten, schauen Sie Filme zum Thema, sprechen Sie darüber.
- Üben Sie Perspektivwechsel: „Was würdest du dir wünschen, wenn du in seiner Lage wärst?“
Wiedergutmachung
Verantwortung übernehmen gehört dazu:
- Eine aufrichtige Entschuldigung, möglichst persönlich oder schriftlich, ohne Ausreden. Sie darf nicht erzwungen wirken.
- Konkrete Wiedergutmachung: Inhalte löschen, Sachen ersetzen, dem Betroffenen aus dem Weg gehen oder ihm beistehen.
- Zusammenarbeit mit der Schule: Gespräche mit Lehrkräften, Schulsozialarbeit, gegebenenfalls Mediation oder Täter-Opfer-Ausgleich.
- Folgen akzeptieren: Schulische Maßnahmen haben ihren Sinn. Stehen Sie hinter ihnen, ohne zu versuchen, sie zu umgehen.
Bei strafbaren Handlungen kann es Konsequenzen geben. Lassen Sie sich beraten.
Ursachen angehen
- Gibt es Probleme zu Hause oder in der Schule, die das Verhalten erklären könnten: Konflikte, Überforderung, Leistungsdruck, eigene Mobbingerfahrungen?
- Stärken Sie das Kind, durch Zuwendung, Erfolgserlebnisse und Verantwortung, die positiv ist.
- Klare Regeln und Konsequenzen, konsequent und fair.
- Prüfen Sie Vorbilder: Wie sprechen Sie selbst über andere? Welche Medien nutzt das Kind?
- Positive Gruppen: Verein, Jugendgruppe, Hobbys.
- Soziale Fähigkeiten fördern: Konflikte ohne Gewalt lösen, Nein sagen, Gefühle ausdrücken.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
- Das Verhalten wiederholt sich trotz Gesprächen.
- Ihr Kind zeigt auch Aggression gegen Tiere, Eltern oder Geschwister.
- Es leidet selbst unter Niedergeschlagenheit oder Ängsten.
- Sie kommen als Eltern nicht weiter.
Wenden Sie sich an die Erziehungsberatungsstelle, Schulsozialarbeit, Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt oder an eine Kinder- und Jugendpsychotherapie. Das Elterntelefon der „Nummer gegen Kummer“ (0800 111 0 550) berät kostenlos und anonym.
Auch an die Betroffenen denken
Das betroffene Kind braucht Schutz und Unterstützung. Lassen Sie die Schule und die betroffene Familie nicht allein, und zeigen Sie Respekt. Mehr zur Sicht der Opfer im Artikel „Mein Kind wird gemobbt“.
Das interaktive Video-Coaching Mobbing in der Schule unterstützt Eltern dabei, Mobbing aus verschiedenen Blickwinkeln zu verstehen und angemessen zu handeln.