Folgen von Mobbing: Was es mit Kindern macht und wie sie sich erholen
Mobbing ist keine harmlose Phase. Es kann Kinder und Jugendliche stark belasten, kurzfristig und manchmal auch lange danach. Das Gute: Mit Unterstützung erholen sich viele gut. Dieser Artikel zeigt, welche Folgen auftreten können und wie Eltern helfen.
Mögliche Folgen
Seelisch
- Angst, auch vor der Schule oder vor Menschen,
- Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit,
- geringes Selbstwertgefühl, Scham, Schuldgefühle,
- Wut und Gereiztheit,
- Misstrauen und Rückzug aus Freundschaften,
- Albträume, Schlafprobleme.
Körperlich
- Kopf- und Bauchschmerzen ohne klare Ursache,
- Übelkeit, Appetitlosigkeit oder vermehrtes Essen,
- Müdigkeit und Erschöpfung,
- Einnässen oder Rückfälle in jüngeres Verhalten bei kleineren Kindern.
In der Schule
- Konzentrationsprobleme, Leistungsabfall,
- Fehlzeiten, Schulverweigerung,
- Vermeidung bestimmter Orte und Situationen (Pause, Sportunterricht, Schulweg).
Langfristig
- Anhaltende Ängste oder Depressionen,
- Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen,
- Selbstzweifel, die sich bis ins Erwachsenenalter ziehen können.
Nicht jedes Kind zeigt alle Folgen. Manche leiden still, andere reagieren laut. Entscheidend ist, wie lange es dauert und wie sehr es den Alltag beeinträchtigt.
Warnzeichen, bei denen Sie sofort handeln sollten
- Ihr Kind spricht davon, nicht mehr leben zu wollen, oder verletzt sich selbst.
- Es verweigert Essen oder Schule über längere Zeit.
- Es zieht sich völlig zurück oder hat starke Angstzustände.
- Es hat Panikattacken oder große Schlafstörungen.
Holen Sie dann ohne Zögern Hilfe: bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, einer Kinder- und Jugendpsychotherapie, einer Klinik oder im Notfall unter 112. Rund um die Uhr erreichen Sie die Telefonseelsorge (0800 111 0 111). Das Kinder- und Jugendtelefon (116 111) ist kostenlos und anonym.
Was Kindern hilft
- Das Mobbing beenden. Alles andere kommt danach. Mehr im Artikel „Mein Kind wird gemobbt: Was Eltern tun können“.
- Sicherheit und Verlässlichkeit: feste Abläufe, Ruhe, ein offenes Ohr.
- Zuhören ohne Druck: Kinder erzählen oft stückweise.
- Gefühle ernst nehmen: „Es ist okay, wütend oder traurig zu sein.“
- Selbstwert stärken: Erfolgserlebnisse, Lob für Bemühen, Hobbys, in denen es gut ist.
- Freundschaften fördern: Ein bis zwei verlässliche Freunde helfen enorm.
- Bewegung und Erholung: Sport, Natur, Schlaf.
- Professionelle Hilfe: Erziehungsberatung, Psychotherapie, Selbstbehauptungskurse.
Wiedereinstieg in die Schule
Wenn ein Kind aus Angst nicht mehr zur Schule geht, hilft ein behutsamer, abgestimmter Plan:
- Gespräch mit Lehrkraft, Schulsozialarbeit und gegebenenfalls Schulpsychologie,
- kleine Schritte: stundenweise Rückkehr, Begleitung auf dem Schulweg,
- feste Ansprechperson an der Schule,
- Schutz vor weiterem Mobbing.
Mehr im Artikel „Schulangst“.
Auch Zuschauer und Täter brauchen Aufmerksamkeit
Mobbing betrifft die ganze Gruppe. Kinder, die zusehen, können sich schuldig oder hilflos fühlen. Kinder, die mobben, haben oft eigene Probleme. Mehr im Artikel „Mein Kind mobbt andere“.
Langfristig
Viele Menschen, die in der Schulzeit gemobbt wurden, leiden als Erwachsene noch unter Folgen. Gespräche, Therapie und neue gute Erfahrungen können helfen, das zu verarbeiten. Nie ist es zu spät, sich Hilfe zu holen.
Was Eltern selbst tun können
Eltern leiden mit. Sprechen Sie mit Vertrauten, nutzen Sie Beratung, nehmen Sie sich Pausen. Das Elterntelefon der „Nummer gegen Kummer“ (0800 111 0 550, kostenlos und anonym) hört zu und berät.
Das interaktive Video-Coaching Mobbing in der Schule unterstützt Eltern dabei, ihr Kind zu stärken und nächste Schritte zu planen.