Cybermobbing: Erkennen, handeln, vorbeugen
Cybermobbing, auch Internetmobbing genannt, findet über Smartphones, soziale Netzwerke, Messenger und Spiele statt. Es unterscheidet sich vom Mobbing auf dem Schulhof: Es hört nicht mit der Schule auf, kann anonym sein, und Inhalte verbreiten sich schnell und bleiben lange sichtbar.
Formen
- Beleidigen und Beschimpfen in Chats und Kommentaren.
- Gerüchte und Lügen verbreiten.
- Peinliche oder private Fotos und Videos weitergeben oder veröffentlichen.
- Ausschluss aus Gruppenchats oder Spielen.
- Fake-Profile im Namen des Opfers.
- Drohungen und Erpressung.
- Belästigung durch ständige Nachrichten.
Anzeichen
Zusätzlich zu den Zeichen von Mobbing, über die Sie im Artikel „Mobbing in der Schule erkennen“ lesen, können auf Cybermobbing hindeuten:
- Ihr Kind wirkt nach dem Blick aufs Handy verstört oder ängstlich.
- Es meidet das Handy oder die sozialen Netzwerke plötzlich ganz, oder ist ständig online.
- Es löscht Konten, wechselt Profile oder reagiert gereizt, wenn Sie danach fragen.
- Es schläft schlecht und ist nach der Nacht besonders bedrückt.
Wenn es passiert: Was Sie tun können
- Ruhig bleiben und zuhören. Sagen Sie Ihrem Kind, dass es nicht schuld ist.
- Nicht antworten, nicht zurückschlagen. Reaktionen heizen oft an.
- Beweise sichern: Screenshots von Nachrichten, Kommentaren und Profilen, mit Datum, Uhrzeit und Absender. Speichern Sie Links. Löschen Sie nichts, bevor Sie gesichert haben.
- Melden und blockieren: Melden Sie Inhalte bei der Plattform (die meisten haben ein Meldeverfahren), blockieren Sie die Absender und prüfen Sie die Privatsphäre-Einstellungen des Kindes.
- Mit der Schule sprechen, auch wenn es außerhalb der Schule passiert. Meist sind Mitschüler beteiligt. Mehr im Artikel „Mein Kind wird gemobbt“.
- Beratung nutzen: Es gibt spezielle Beratung für Cybermobbing, zum Beispiel JUUUPORT (Beratung von Jugendlichen für Jugendliche) und die „Nummer gegen Kummer“.
- Rechtliche Schritte prüfen: Beleidigung, Bedrohung, Nötigung und die Verbreitung von Bildern ohne Einwilligung können strafbar sein. Ab 14 Jahren sind Jugendliche strafmündig. Sie können Anzeige bei der Polizei erstatten und sich beraten lassen.
Was Sie nicht tun sollten
- Das Handy einfach wegnehmen. Das fühlt sich für das Kind wie Strafe an, schneidet es von Freunden ab und führt dazu, dass es nichts mehr erzählt.
- Die Täter oder deren Eltern öffentlich bloßstellen.
- Inhalte weiterverbreiten, auch nicht als Beweis in anderen Gruppen.
- Das Problem kleinreden: „Dann schau halt nicht hin.“
Vorbeugen
- Offen über das Internet sprechen, nicht erst im Problemfall: Was nutzt Ihr Kind? Was gefällt ihm? Was beunruhigt?
- Regeln vereinbaren, gemeinsam und altersgerecht, zu Nutzungszeiten, Datenschutz, Umgang mit Fotos.
- Privatsphäre-Einstellungen prüfen: Profil auf privat stellen, Standort und Kontaktanfragen einschränken.
- Vorsicht bei persönlichen Daten und Bildern. Was online ist, bleibt oft.
- Respekt üben: Kinder sollten wissen, dass auch sie nicht verletzen dürfen.
- Ansprechperson sein, zu der Ihr Kind kommen kann, ohne Angst vor Verboten.
- Medienkompetenz stärken: Die Landesmedienanstalten, Schulen und Verbraucherzentralen bieten Material für Eltern.
Wenn Ihr Kind selbst mitgemacht hat
Auch Kinder, die mobben, brauchen Hilfe. Sprechen Sie ruhig, aber klar: Was ist passiert? Warum? Wie fühlt sich die andere Person? Lassen Sie das Kind sich entschuldigen und die Inhalte entfernen. Mehr im Artikel „Mein Kind mobbt andere“.
Wo Sie Hilfe bekommen
- Schule: Klassenlehrkraft, Beratungslehrkraft, Schulsozialarbeit.
- JUUUPORT: Online-Beratung für Jugendliche bei Problemen im Netz.
- Kinder- und Jugendtelefon: 116 111. Elterntelefon: 0800 111 0 550 (beide kostenlos und anonym).
- Polizei: bei strafbaren Handlungen.
- Erziehungsberatungsstellen.
Das interaktive Video-Coaching Mobbing in der Schule gibt Eltern Orientierung und konkrete Schritte, auch zu digitalen Formen von Mobbing.