Betrogen worden: Was jetzt?
Wenn Sie erfahren, dass Ihr Partner oder Ihre Partnerin Sie betrogen hat, verändert sich vieles auf einmal. Das Gefühl von Sicherheit bricht weg, Erinnerungen werden neu bewertet, und Sie wissen nicht, was Sie glauben sollen. Dieser Artikel will Ihnen helfen, die ersten Tage und Wochen zu überstehen und in Ruhe Entscheidungen zu treffen.
Was gerade in Ihnen passiert
Viele Betroffene berichten von einer Mischung aus:
- Schock und Ungläubigkeit, manchmal Taubheit,
- Wut, auf den Partner, auf die andere Person, auf sich selbst,
- Scham und Selbstzweifeln: „Was stimmt nicht mit mir?“,
- Trauer um das, was war und was Sie sich vorgestellt haben,
- Gedankenkreisen, Schlafproblemen und Appetitverlust,
- Misstrauen, auch bei Kleinigkeiten.
Das sind normale Reaktionen auf eine tiefe Verletzung. Sie sind nicht verrückt und nicht übertrieben.
Die ersten Tage
- Sorgen Sie für Sicherheit und Ruhe. Wenn Sie mit dem Partner zusammenwohnen und im Moment nicht reden können, ist Abstand erlaubt, zum Beispiel eine Nacht bei einer Freundin oder einem Freund.
- Treffen Sie keine großen Entscheidungen. Trennung, Umzug oder Rache sollten warten, bis der erste Schock vorüber ist.
- Sprechen Sie mit einer vertrauten Person. Sie müssen niemandem alles erzählen, aber eine Person, die zuhört, hilft enorm.
- Sorgen Sie für sich: essen, trinken, schlafen, kurze Spaziergänge. Der Körper braucht Halt.
- Vermeiden Sie Alkohol und Betäubungsmittel, sie machen alles schwerer.
- Bei Notfällen: Wenn Sie sich hoffnungslos fühlen oder daran denken, sich etwas anzutun, rufen Sie die Telefonseelsorge an (0800 111 0 111, kostenlos, rund um die Uhr). Bei akuter Gefahr wählen Sie 112.
Das Gespräch mit dem Partner
Irgendwann müssen Sie reden. Hilfreich ist:
- Wählen Sie den Zeitpunkt, wenn Sie sich einigermaßen gesammelt haben. Sie müssen nicht sofort sprechen.
- Überlegen Sie vorher, was Sie wissen müssen: Seit wann? Ist es vorbei? Gibt es Risiken, etwa für die Gesundheit? Was erwartet Ihr Partner?
- Fragen Sie nach Dingen, die Ihnen helfen, nicht nach jedem Detail, das Sie nur zusätzlich quält.
- Bleiben Sie bei sich: „Ich bin tief verletzt, und ich brauche Ehrlichkeit.“
- Lassen Sie Pausen zu. Es muss nicht alles an einem Abend geklärt werden.
Wenn Streit eskaliert oder Sie sich bedroht fühlen, brechen Sie das Gespräch ab. Hilfe bei Gewalt finden Sie beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (116 016) und beim Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ (0800 123 99 00).
Gesundheit
Wenn es zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit der dritten Person gekommen sein könnte, ist ein Test auf sexuell übertragbare Infektionen sinnvoll. Sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis oder einer Beratungsstelle. Das ist unangenehm, schützt aber Sie und andere.
Was Sie nicht tun müssen
- Sich schuldig fühlen. Die Verantwortung für Untreue liegt bei der Person, die sie begangen hat.
- Sofort verzeihen oder sofort gehen.
- Alles verstehen wollen. Manche Fragen bleiben offen.
- Der anderen Person nachstellen, sich rächen oder den Betrug in sozialen Medien oder im Freundeskreis ausbreiten. Das schadet meist Ihnen selbst.
- Funktionieren, als wäre nichts geschehen. Sie dürfen sich Auszeit nehmen.
Entscheiden, wie es weitergeht
Mit der Zeit stellt sich die Frage: Bleiben oder gehen? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Hilfreich ist, sich Zeit zu geben und Fragen zu klären:
- Übernimmt Ihr Partner Verantwortung, oder weicht er aus?
- Ist die Affäre beendet, und ist der Kontakt abgebrochen?
- Zeigt er Bereitschaft, offen zu sein und Vertrauen neu aufzubauen?
- Können Sie sich vorstellen, ihm oder ihr wieder zu vertrauen?
- Was brauchen Sie, damit Sie bleiben könnten?
- Was wünschen Sie sich für sich selbst?
Mehr dazu im Artikel „Untreue verzeihen oder gehen?“. Und wenn Sie sich trennen möchten, finden Sie Hinweise im Artikel „Sich trennen“.
Unterstützung holen
Allein ist das schwer zu tragen. Mögliche Anlaufstellen:
- vertraute Freunde und Familie,
- Beratungsstellen für Paare und Familien, oft kostengünstig,
- Psychotherapie, wenn die Belastung groß ist oder lange anhält,
- Selbsthilfegruppen, wo Sie Menschen mit ähnlichen Erfahrungen treffen.
Es wird leichter
Der Schmerz ist am Anfang überwältigend und lässt mit der Zeit nach, auch wenn es sich im Moment nicht so anfühlt. Wichtig ist, dass Sie in dieser Zeit gut für sich sorgen und sich nicht zu schnellen Entscheidungen drängen lassen.
Das interaktive Video-Coaching Betrogen worden begleitet Sie dabei, mit der schmerzhaften Erkenntnis umzugehen und Ihren eigenen Weg zu finden.